Vergleich von Linux-Distributionen für Einsteiger

© 2006 Martin J. Fiedler

Mandriva Linux 2006 Free DVD

Mandriva Linux stammt von der französischen Firma Mandriva, die früher unter dem Namen Mandrakesoft die Distribution Mandrakelinux verkaufte. Im Februar übernahm Mandrakesoft dann den traditionellen brasilianischen Distributor Conectiva und übernahm einen Teil des Firmennamens in den eigenen. Im Juni 2005 folgte eine teilweise Übernahme des amerikanischen Distributors Lycoris. So stellt Mandriva ein echtes Schwergewicht im Linux-Markt mit Schwerpunkt auf Desktop-orientierten Distributionen dar.

Die kostenlos verfügbare 2006er Version kann man von verschiedenen Mirrors herunterladen. Leider werden nur direkte HTTP- und FTP-Downloads angeboten, einen offiziellen BitTorrent-Link gibt es nur für die veraltete Version Mandrakelinux 10.1. Auf den Seiten des Linux Mirror Project wird man dennoch fündig. Zur Wahl stehen eine 3-CD-Version, von der nur die 1. CD zwingend erforderlich ist, eine Live-CD zum Ausprobieren oder eine immerhin 430 MB große Mini-CD, die nur das Allernötigste enthält. Als vierte Option wird ein 2 GB großes DVD-Image angeboten, das auch hier zur Installation verwendet wurde.

Installation

Die Installation läuft komplett in einer grafischen Umgebung ab und ist im klassischen dialogbasierten Schritt-für-Schritt-Aufbau gehalten. Der DVD-Bootscreen ist zwar noch englisch, doch die erste Frage des Installers richtet sich gleich nach der gewünschten Sprache. Alles weitere ist komplett lokalisiert.

Schon recht früh in der Installationsphase wird die Einstellung des Sicherheitslevels abgefragt. Diese ist etwas verwirrend: Im Erklärungstext, der kaum auf die Unterschiede der möglichen Optionen eingeht, wird die Einstellung Standard empfohlen, vorselektiert ist jedoch Hoch. Zur Partitionierung bietet der Installer neben der obligatorischen Benutzerdefiniert-Option an, eine existierende Partition zu verwenden, eine Festplatte komplett zu löschen oder den freien Platz der Windows-Partition zu nutzen. Auf welche Art und Weise letzteres realisiert wird, also ob durch Verkleinern der Partition oder Anlegen eines Images als Datei, ist nicht erkennbar.

Die Paketauswahl erfolgt durch Aufgabengebiete wie Büro-Arbeitsplatz, Spiele-Station, Multimedia-Station, Internet-Station, Netzwerk-Computer (Client), Konfiguration, Konsolen-Werkzeuge, Entwicklung, Dokumentation und Linux Standards Base. Im Abschnitt Server kann man ferner Web-, FTP-, E-Mail-, Datenbank-, NFS, Samba-, Proxy- und SSH-Server sowie Firewall/Router-Funktionen hinzufügen. Auch hat man an diesem Punkt die Wahl zwischen den Desktops KDE, GNOME, IceWM und anderen. Standardeinstellung ist dabei KDE.

Die eigentliche Installation mit der Standard-Paketauswahl dauert ca. 15 Minuten. Wenig später zeigt der Installer noch einmal eine Zusammenfassung der wichtigsten Einstellungen mit Option zur Korrektur an: Tastatur, Land, Zeitzone, Maus, Drucker, TV-Karten, Grafikumgebung, Netzwerk, Proxies, Sicherheit, Bootloader und Dienste. Auffällig ist dabei, daß die Grafikumgebung, gut sichtbar rot markiert, noch nicht konfiguriert ist. Klickt man unbedacht auf Weiter, warnt der Installer, daß X noch nicht konfiguriert sei. Ob ein Einsteiger mit dem Begriff X sofort etwas anfangen kann, sei dahingestellt. Es wird jedenfalls nicht die Option angeboten, diese Einrichtung sofort nachzuholen, sondern man muß zunächst zur Übersicht zurück und dort manuell herunterscrollen und auf den entsprechenden Button neben Grafikumgebung klicken. Deren Einrichtung läuft dann allerdings reibungslos ab.

Nach einem abschließenden Reboot wird ein grafischer Bootloader angezeigt, dessen Texte jedoch äußerst knapp geraten sind – im Bootmenü hat man einfach nur die Wahl zwischen den linux, failsafe und windows.

Erste Eindrücke

Während des Bootvorgangs wird lediglich ein Fortschrittsbalken angezeigt. Beim ersten Start bittet Mandriva um das Ausfüllen eines Fragebogens, bevor der KDE-3.4-Desktop mit einer dancigen Musik startet. Hier wird man von einem Willkommen zu Mandriva Linux-Fenster und dem Drucker-Assistent begrüßt. Letzterer bietet an, nach Netzwerkdruckern zu suchen, sofern keine lokalen Drucker bei der Installation erkannt wurden.

Mandrivas KDE-Desktop erscheint in einem distributionsspezifischen Theme, das akzeptabel aussieht, allerdings auch keine Schönheitspreise gewinnt. Auf dem Desktop befinden sich Icons für den persönlichen Ordner, das erwähnte Herzlich Willkommen-Programm und Geräte. Die Geräte-Ansicht enthält einen etwas bizarr anmutenden Hardware-Cocktail: Zum einen findet man hier die Windows-Partitionen und einen Samba-Zugriff, zum anderen tummeln sich an dieser Stelle auch die erkannten TV-Karten. Ein Klick auf eine der TV-Karten öffnet das Programm kdetv, das allerdings kein DVB unterstützt. Die eingebundenen FAT-Laufwerke können vom Standardnutzer gelesen und beschrieben werden, auf NTFS-Partitionen sind keine Schreibzugriffe möglich. Auch ein angeschlossener USB-Stick erscheint im Geräte-Fenster, jedoch irritierenderweise als Festplatte.

Im Infobereich der Taskleiste befindet sich neben den KDE-typischen Icons auch eines für Mandriva Online. Sinnvolle Dinge kann man damit scheinbar nicht anstellen, sofern man nicht über eine Mitgliedschaft im Mandriva-Club verfügt.

Die Administration des Systems geschieht über das komfortable Mandriva-Kontrollzentrum, das die gebräuchlichsten Einstellungen unter einer gemeinsamen Oberfläche abdeckt. Dort befindet sich auch die Option zum Online-Update: Man muß zunächst einen Mirror-Server auswählen, von dem anschließend die Paketlisten geladen werden. Dies dauerte im Test auffällig lange, könnte allerdings durchaus in der Auslastung des Servers begründet liegen. Die Auswahl der Updates ist in die Dringlichkeitsstufen Sicherheitsupdates, Fehlerkorrekturen und Sonstiges eingeteilt. Allein die Sicherheitsupdates und Fehlerkorrekturen summieren sich momentan (Stand: 20. Februar 2006) auf über 400 MB, so daß man ohne DSL-Anschluß praktisch chancenlos ist.

Mandriva ist eine der wenigen Distributionen in diesem Vergleich, die ohne Nachinstallation von Codecs gängige Multimediadateien wie MPEG-Video und MP3-Audio abspielen können. Allerdings tat sich Mandriva schwer, die verwendete, unter Linux völlig problemlos laufende DVB-Karte in Betrieb zu nehmen – erst nach manuellem Laden des Kernelmoduls cx88-dvb wollte Kaffeine die Karte erkennen.

Auch sonst hinterläßt die Hardwareunterstützung ein durchwachsenes Bild. So ist Mandriva die einzige Distribution im ganzen Test, welche die Stromsparfunktionen des Athlon-64-Prozessors nicht aktivierte und somit für einen lauten CPU-Lüfter sorgte. 3D-beschleunigte Treiber für nVidia- und ATI-Grafikkarten stehen nur zahlenden Kunden der PowerPack-Distribution zur Verfügung. Außerdem fielen ein totaler Crash und ein (inzwischen behobenes) Problem im X-Server, das für üble Grafikfehler sorgte, negativ auf.

Fazit

Mandriva ist zwar durchaus brauchbar und verdient Lob wegen des eingebauten MPEG-Supports, allerdings erzeugen die diversen Hardware- und Usability-Probleme einen faden Beigeschmack.

Fedora Core 4

Der bekannte amerikanische Linux-Distributor Red Hat Inc. überantwortete seine Consumer-Distribution im September 2003 an das eigens dafür gegründete Fedora-Projekt. Seit dem wird das ehemalige Red Hat Linux von der Open-Source Community selbst unter dem Namen Fedora Core weiterentwickelt, während sich Red Hat Inc. ganz auf Enterprise-Lösungen konzentriert.

Die aktuelle Version der vollständig auf freier Software basierenden Distribution heißt Fedora Core 4 (Codename Stentz) und läßt sich auf der Fedora-Webseite als 4-CD- oder DVD-Version für die Plattformen x86, x86_64 und ppc herunterladen. Auch Torrent-Dateien sind verfügbar. Für den Test wurde die x86-DVD verwendet.

Installation

Nach dem Booten von der DVD erscheint zunächst alles auf englisch, unter anderem auch die Nachfrage, ob die DVD nochmals auf Fehler untersucht werden soll. Erst danach startet der grafische Installer, der alsbald nach der gewünschen Sprache fragt und die über den restliche Installationsprozeß hinweg beibehält.

Die Paketauswahl erfolgt sehr schnell durch Auswahl eines der Anwendungsszenarien Persönlicher Desktop, Workstation und Server. Darüber hinaus können die zu installierenden Pakete auch benutzerdefiniert vorgegeben werden. Das Partitionierungstool fragt lediglich kurz nach, ob automatisch oder manuell partitioniert werden soll. Bei der automatischen Variante ist jedoch nicht nachvollziehbar, welche Entscheidungen der Installer getroffen hat, so daß hiervon eher abzuraten ist. Der manuelle Partitionierer ermöglicht nur das Anlegen und Löschen von Partitionen sowie das Festlegen von Mountpoints, letzteres jedoch auch nur für ext2/3 oder reiserfs. Optionen zum Vergrößern oder Verkleinern von Partitionen fehlen völlig. Nutzer, die nicht wissen, was an dieser Stelle zu tun ist, bleiben hilflos im Regen stehen und müssen sich auf die Ergebnisse des automatischen Setup verlassen.

Die Installation der Pakete dauerte etwa 15 Minuten auf dem Testsystem. Nach dem anschließenden Neustart blieb der Bootloader GRUB jedoch beim Suchen seiner stage2-Datei hängen. Das Problem konnte erst durch erneutes Booten von der DVD im Rescue-Modus mit den Shell-Kommandos

chroot /mnt/sysinstall
/sbin/grub-install /dev/hda

behoben werden. Dabei handelt es sich hoffentlich um einen Fehler, der zufällig auf dem Testrechner auftrat – die Tatsache, daß eine Google-Suche zu diesem Problem sofort Ergebnisse liefert, läßt jedoch einen allgemeinen Fehler vermuten.

Ist dieses Problem beseitigt, startet das frisch installierte Linux mit einem grafischen Bootscreen, um den zweiten Teil der Installation zu absolvieren. Dabei wird unter anderem das Grafiksystem konfiguriert. Direkt danach wird man zum schlichten Login-Bildschirm weitergeleitet.

Erste Eindrücke

Fedora Core präsentiert sich mit einem sehr schlichten und aufgeräumten typischen GNOME-Desktop mit der Menüleiste am oberen und der Taskleiste am unteren Rand. Ziemlich nervig ist der voreingestellte Spatial Navigation-Modus des Dateimanagers Nautilus: Jeder angeklickte Ordner öffnet ein neues Ordnerfenster, was sehr schnell zu einer unüberschaubaren Menge an Fenstern auf dem Bildschirm führt.

Äußerst ärgerlich ist die Tastache, daß die vorhandenen Windows-Partitionen nicht eingebunden wurden. Dies hängt möglicherweise mit der manuellen Partitionierung zusammen, die wie erwähnt keine Auswahl von Mountpoints für die FAT- und NTFS-Partitionen zuläßt. Die entsprechenden Zeilen müssenhändisch in /etc/fstab eingetragen werden. Das NTFS-Dateisystem wird gar nicht unterstützt, da das zugehörige Kernelmodul fehlt. Dieses gesamte Prozedere ist für Einsteiger unzumutbar.

Doch nicht nur NTFS-Kernelmodule fehlen, auch die nötigen Codecs zur Wiedergabe gängiger Multimediaformate wie MP3 glänzen durch Abwesenheit. Ebenso wird in der Standardinstallation kein vollwertiges Programm zum Brennen von CD oder DVDs mitgeliefert. Stattdessen ist eine rudimentäre Brennfunktion in Nautilus integriert.

Beim Arbeiten auf Windows-Netzwerkfreigaben ist zu beachten, daß die Dateien zwar vom Dateimanager angezeigt werden, allerdings mit fast allen Programmen nicht direkt aus dem Netz geöffnet werden können. So müssen Dokumente erst auf den lokalen Rechner kopiert, dort bearbeitet und wieder zurückgespielt werden.

Das Updatemanagement geht recht einfach vonstatten. Links neben der Uhr, im Infobereich der Menüleiste, befindet sich ein auffälliges Icon, das den englischen Update-Assistenten startet. Die restlichen Administrationstools stehen in der Form von wenigen einzelnen Programmen zur Verfügung.

Abhilfe

Mit rpm.livna.org existiert im Netz ein vom Fedora-Projekt unabhängiges Paket-Repository, das einige wichtige Features aus dem Internet nachlädt. Dazu muß mit Anwendungen/Systemwerkzeuge/Terminal ein Konsolenfenster geöffnet werden. Durch Eingabe des Befehls su und (nach der Aufforderung) des root-Kennworts kann man mit folgenden zwei Zeilen NTFS- und Multimedia-Support nachrüsten:

rpm -ivh http://rpm.livna.org/livna-release4.rpm
yum install kernel-module-ntfs-$(uname -r) xmms-mp3 gstreamer-plugins-mp3 mplayer-gui vlc xine lame

Fügt man der yum-Zeile außerdem die Parameter kernel-module-nvidia-$(uname -r) oder kernel-module-fglrx-$(uname -r) (ATI) hinzu, wird der kommerzielle Grafikkartentreiber das jeweiligen Herstellers installiert, der auch 3D-Beschleunigung ermöglicht.

Sehr hilfreich bei Fedora-Problemen aller Art ist das deutschsprachige Fedora-Wiki, das im Internet unter www.fedorawiki.de Antwort auf so manche Frage weiß.

Fazit

Von der Installations-DVD bis zum runden Fedora-System gibt es einige Hürden zu überwinden, die von Linux-Einsteigern kaum zu meistern sind. Wer jedoch bereit ist, sich etwas tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen, kommt mit Hilfe des Fedora-Wiki durchaus ans Ziel.

SUSE Linux 10.0 Evaluation DVD

Der Nürnberger Linux-Distributor SuSE wurde vor etwa einem Jahr vom amerikanischen Netzwerksoftware-Spezialisten Novell übernommen. Der Name der seit jeher einsteigertauglich konzipierten Distribution blieb dabei bis auf die Groß-/Kleinschreibung erhalten. Ähnlich wie zuvor bei Red Hat und Fedora überantwortere Novell die Weiterentwicklung der Desktopvariante SUSE Linux der Open-Source-Community openSUSE.

Zum Download stehen auf der openSUSE-Seite mehrere Varianten bereit: SUSE Linux OSS ist lediglich auf CDs verfügbar und verzichtet auf jegliche proprietäre Software wie beispielsweise den Acrobat Reader. Von der vollständigen SUSE-Distribution gibt es eine Evaluation Version als CD oder DVD. Die CD-Versionen sind jeweils 5x 700 MB groß, die im Test verwendete DVD-Edition umfaßt mit 3,6 GB etwa die Summe der CDs.

Installation

Schon am grafischen Bootscreen kann man bei der Installations-DVD die gewünschte Sprache auswählen. Die nächste angenehme Überraschung folgt gleich nach dem Booten: Ist ein LCD-Display angeschlossen, wechselt der Installer sofort in dessen native Auflösung. Nach wenigen Schritten erscheint eine Zusammenfassung der von SUSE automatisch ermittelten Installationseinstellungen, die bei Gefallen mit einem Mausklick akzeptiert, bei Bedarf aber auch einzeln geändert werden können. Darunter befindet sich auch ein sinnvoller Vorschlag zur Partitionierung: Die im System vorhandene Linux-Partition reklamierte SUSE für sich, die Windows-Partitionen wurden automatisch als zusätzliche Laufwerke eingebunden.

Sofern man nicht freiwillig ins Detail gehen will, stellt SUSE nur eine einzige Frage zur Paketauswahl, nämlich ob man KDE oder GNOME bevorzugt. Keine der beiden Desktopumgebungen ist dabei als Standard vorgegeben, der Nutzer wird also nicht beeinflußt. Für den Test wurde an dieser Stelle KDE verwendet, da es sich zum einen um den in Europa verbreitetsten Desktop handelt und zum anderen SUSE seine Wurzeln eher in der KDE-Ecke hat. Mit dieser Auswahl dauert das Installieren der Pakete von der DVD etwa 15 Minuten.

Nach einem Neustart zeigt sich zum ersten Mal der hübsche grafische und teilweise animierte Bootloader. Auch der Bootvorgang selbst läuft hinter einer Animation weitestgehend unsichtbar ab. Im folgenden zweiten Teil der Installation werden unter anderem die Netzwerkoptionen festgelegt. Obwohl die Netzwerkkarte laut Anzeige korrekt mit DHCP konfiguriert wurde, schlug allerdings der Test der Verbindung fehl. Ein erneutes Überprüfen der Einstellungen behob das Problem. Der Installer bietet dann auch gleich die Option an, ein Online-Update durchzuführen. Läßt man sich dabei die Liste der zu installierenden Patches anzeigen, kann man optional auch sofort den Grafiktreiber von nVidia einbinden lassen. Im Test dauerte das folgende Herunterladen und Installieren aller empfohlenen Patches mehr als 30 Minuten bei einer DSL-2000-Verbindung. Modem- oder ISDN-Nutzer sollten also gegebenenfalls die Patch-Liste nochmals durchlesen und nur die wirklich wichtigen Updates auswählen. Befindet sich unter den aktualisierten Paketen auch der Linux-Kernel, ist nach dem Einspielen der Patches ein weiterer Neustart fällig.

Weitere Dialoge befassen sich mit der Einrichtung von Benutzeraccounts und schließlich der Hardwarekonfiguration. Diese ist ähnlich dem DVD-Installer als Übersicht der automatisch erkannten Komponenten mit Möglichkeit zur Änderung aufgebaut. Im Repertoire finden sich die Geräteklassen Grafikkarte bzw. Anzeige, Drucker, Sound, TV-Karten und Bluetooth. Bei der Testinstallation konfigurierte der Installer diese Komponenten ausnahmslos korrekt und mit sinnvollen Einstellungen.

Erste Eindrücke

Nach der Installation präsentiert sich ein KDE-Desktop, der von SUSE durch ein eigenes Theme aufgehübscht wurde. Auffällig ist die recht große Schrift bei Auflösungen größer als XGA und damit einhergehend die klobigen Titelleisten der Fenster. In OpenOffice sind die Menü- und Dialogschriftarten sogar noch einige Pixel größer als in KDE-Anwendungen. Etwas irritierend ist auch die Voreinstellung, Programme und Dokumente bei einem Einfachklick auf das Icon bereits zu öffnen. Auch die Tatsache, daß sich auf dem Desktop am oberen Bildschirmrand ein Firefox-Icon befindet, am unteren Bildschirmrand in der Startleiste als Web-Browser jedoch Konqueror geöffnet wird, sorgt mitunter für Verwirrung. Lobenswert ist hingegen die sehr praktische Suchfunktion im KDE-Startmenü.

Auf dem Desktop befindet sich ein Icon, das die Funktionalität dem Arbeitsplatz von Windows gleicht: Dort finden sich alle eingebundenen Laufwerke. FAT- und NTFS-Partitionen sowie USB-Sticks erscheinen dort erfreulicherweise mit ihren vollständigen Namen und können problemlos verwendet werden. Schreibzugriffe auf NTFS sind jedoch nicht möglich. MP3-Musikdateien spielt der Player amaroK sofort ohne Probleme ab, MPEG-Videos können jedoch standardmäßig nicht wiedergegeben werden. Direkte Zugriffe auf Samba-Freigaben funktionieren wie bei vielen anderen Distributionen nur mit KDE-Programmen reibungslos, ansonsten muß der Umweg über eine lokale Kopie der Datei in Kauf genommen werden.

Die Administration des SUSE-Systems erfolgt sehr komfortabel über das integrierte Konfigurationstool YaST. Dort finden sich alle wesentlichen Einstellungen, von Hardware über Netzwerk- und Benutzerkonfiguration bis zur Paketverwaltung und der Online-Updatefunktion YOU (YaST Online Update). Letzere ist auch sehr bequem über ein eigenes Icon im Infobereich der Taskleiste zu erreichen. YaST selbst hingegen versteckt sich ein wenig in den Tiefen des Startmenüs und ist unter dem Namen Kontrollzentrum (YaST) reichlich unglücklich neben den Eintrag Kontrollzentrum platziert, der zum KDE-Kontrollzentrum führt.

Abhilfe

Ähnlich wie rpm.livna.org für Fedora existiert auch für SUSE Linux ein inoffizielles Paket-Repository namens PackMan, aus dem zusätzliche Software, die nicht Teil des Standard-Installationsumfangs ist, heruntergeladen werden kann. Dazu muß in YaST unter Software/Installationsquelle/Hinzufügen einer der PackMan-Mirrorserver unter Servername eingetragen werden (z.B. http://ftp.uni-erlangen.de/pub/mirrors/packman/). Als Protokoll ist dabei HTTP auszuwählen, als Verzeichnis suse/10.0. Ist dies erledigt, stehen die Pakete aus dem PackMan-Fundus unter Software installieren oder löschen neben den Standard-Paketen zur Auswahl. MPEG-Video-Support kann man beispielsweise einfach einrichten, indem man libxine1 über Pakete per Suche auswählen heraussucht und installieren läßt.

Fazit

SUSE Linux macht einen sehr ausgereiften Eindruck. Im Detail gibt es zwar noch einige rauhe Ecken und Kanten, aber im Großen und Ganzen ist die Distribution durchaus für Einsteiger zu empfehlen.

Ubuntu 5.10

Ubuntu gibt es zwar erst seit Herbst 2004, hat aber seitdem einen komentenhaften Aufstieg erfahren. Die von der Firma Canonical Ltd. des südafrikanischen Unternemhers Mark Shuttleworth unterstützte und auf Debian basierende Distribution erscheint halbjährlich in einer neuen Version. Die Versionsnummern werden dabei aus Erscheinungsjahr und -Monat gebildet. Aktuell war zum Testzeitpunkt die Version 5.10.

Auf der Download-Seite werden CD- und DVD-Versionen angeboten. Zum Test kam die DVD für i386-Architekturen zum Einsatz. Diese fungiert nicht nicht als Installationsmedium, sondern kann auch als Live-CD zum unverbindlichen Testen verwendet werden.

Neben dem Original-Ubuntu gibt es auch zwei halboffizielle Ableger: Kubuntu setzt auf KDE anstelle von GNOME auf und Edubuntu ist auf Lernsoftware spezialisiert.

Installation

Der Installer operiert nur auf einer Textkonsole und ist dialogartig aufgebaut, die Steuerung ist dabei etwas umständlich geraten, auch erfordern einige Fragen Vorkenntnisse. Zur Partitionierung werden fertige Vorschläge unterbreitet, jedoch war beim Test keiner davon sinnvoll. Der Dialog zur manuellen Partitionierung ist alles andere als einsteigerfreundlich, selbst erfahrene Anwender werden zumindest durch die seltsame Steuerung verwirrt.

Auch die Einrichtung des Netzwerkes gehört zum Repertiore des Installationsprogramms. Der Grund wird wenig später deutlich: Die gewählte Sprache (Deutsch) sei nicht vollständig auf der immerhin 3.8 GB großen DVD enthalten und müsse aus dem Internet nachgeladen werden. Nach dem nur ca. 5 bis 10 Minuten dauernden Kopieren der Pakete auf die Festplatte folgt ein Neustart.

Der GRUB-Bootmanager von Ubuntu ist so schmucklos wie nur möglich: Ein schlichtes englisches Bootmenü im Schwarzweiß-Textmodus muß genügen. Nach dem Linux-Start, der freilich auch im Textmodus abläuft, meldet sich wieder der Installer, die kopierten Pakete auspackt und zum Schluß neue aus dem Internet ergänzt. Dieses Prozedere dauerte auf dem Testrechner etwa eine Viertelstunde.

Erste Eindrücke

Danach erscheint sofort ein netter grafischer Login-Bildschirm in der nativen Auflösung des angeschlossenen TFT-Monitors. Nach dem Einloggen ertönt zur Begrüßung ein spärischer Sound, während sich der GNOME-Desktop im Ubuntu-typischen braunen Farbschema aufbaut. Das Design ist sehr schlicht gehalten, Eye-Candy ist auf ein Minimum reduziert. Auf dem Desktop befinden sich lediglich Icons für die eingebundenen Windows-Laufwerke, jedoch nur unter den Gerätenamen wie z.B. hda1. Der Nautilus-Dateimanager verwendet dankenswerterweise nicht den Spatial Navigation-Modus, sondern verhält sich ähnlich wie auf anderen Desktopsystemen üblich. Ärgerlich ist, daß man als normaler Nutzer weder auf FAT- noch auf NTFS-Laufwerke schreibend zugreifen kann. Auch im (englischen) Disk Manager kann man diesen Mißstand nicht beheben. Der Systemadministrator kann immerhin auf FAT schreiben, was aber keine dauerhafte Lösung ist. Eine solche ist nur durch Editieren von /etc/fstab zu erreichen, was jedoch Einsteiger deutlich überfordern dürfte.

Im Bereich Multimedia muß Ubuntu passen – weder MP3-Audio noch MPEG-Video wollen die mitgelieferten Programme wiedergeben. Auch fehlt ein richtiges Brennprogramm, man ist wie bei Fedora Core auf die Brennfeatures von Nautilus angewiesen. Immerhin erscheint beim Einlegen eines leeren Mediums ein Dialogfenster, das sich erkundigt, ob man Musik, Daten oder Fotos brennen möchte. Dies ist allerdings eine GNOME-bedingte Schwäche, die mit Kubuntu nicht auftreten sollte.

Tools zur Systemadministration sind spärlich gesät, aber vorhanden und funktional. Eine integrierte Lösung wie bei Mandriva oder SUSE fehlt jedoch. Vorbildlich ist der Update-Dienst: Ein Tray-Icon mit Sprechblase informiert darüber, daß neue Updates verfügbar sind. Diese werden nach einem Mausklick und der Kennworteingabe sehr übersichtlich in einem Fenster aufgelistet. Die Anzahl der Updates ist überschaubar, da bei Ubuntu normalerweise keine Pakete innerhalb eines Releases aktualisiert werden. Nur Sicherheits-Updates und Bugfixes werden aufgeführt.

Abhilfe

Wichtigste Quelle für Informationen ist das deutschsprachige Forum und Wiki ubuntuusers, das eine gute Sammlung von Ratgebern für verschiedene Situationen bietet, unter anderem auch dem FAT-Schreibschutzproblem. Besonderes Highlight ist das Script Automatix, das die einfache Installation von Multimedia-Codecs, Firefox 1.5, Opera, Java, Flash, nVidia-Grafiktreibern, diversen Multimedia-Programmen und OpenOffice-Updates ermöglicht. Automatix selbst muß zwar von Hand in der Konsole eingerichtet werden, doch dies ist mit der Anleitung auf der Automatix-Seite schnell geschehen.

In der Liste der Annehmlichkeiten, die Automatix anbietet, fehlen jedoch die 3D-beschleunigten Grafiktreiber von ATI. Dies ist sehr ärgerlich, da es sonst keine bequeme Möglichkeit gibt, diese Treiber zu installieren. Eine entsprechende Seite im Ubuntuusers-Wiki beschreibt zwar die manuelle Installation der Treiber, doch diese ist nicht unbedingt jedermanns Sache.

Fazit

Insbesondere der altmodische Installer dürfte Linux-interessierte Einsteiger abschrecken. Doch auch nach der Installation treten bei Ubuntu einige Ungereimtheihten auf, die sich jedoch größtenteils mit Hilfe von ubuntuusers.de und Automatix ausräumen lassen.

Kanotix 2005-04

Bei Kanotix handelt es sich um eine stark modifizierte Variante der Debian-basierten Live-CD Knoppix. Das ursprünglich von Jörg Schirottke gestartete Projekt erweitert Knoppix um eine nochmals verbesserte Hardwareerkennung und ist auf Festplatteninstallationen optimiert.

Das CD-Image der aktuellen Version 2005-04 ist auf diversen Mirror-Servern oder als BitTorrent-Link verfügbar.

Installation

Da es sich bei Kanotix um eine echte Live-CD handelt, läuft die Installation etwas ungewohnt ab. Beim Start von der CD erscheint zunächst ein üppiges Bootmenü, das vielfältige Sonderoptionen anbietet. In der Regel reicht aber das einfache Bestätigen mit der Enter-Taste aus. Ein Großteil des Bootvorgangs wird hinter einem Logo mit Fortschrittsbalken versteckt. Es wird direkt ein KDE-Desktop gestartet, mit dem man   typisch für eine Live-CD   sofort losarbeiten könnte. Neben dem Button, der das KDE-Startmenü aufruft, findet sich ein Knopf für das Kanotix-Menü, in dem wiederum der Aufruf des Installationsprogramms zu finden ist.

Der Installationsassistent ist in 6 Schritte unterteilt. Im ersten Schritt hat man die Wahl zwischen einer Kanotix-Neuinstallation, einer Reparatur einer bestehenden Installation und einem Update. Zur Partitionierung gibt es ein etwas verwirrendes Interface, das im Wesentlichen zum Festlegen einer bestehenden Linux-Partition als Installationsziel dient. Ein großer Teil des Fensters widmet sich den Mountpoints anderer Partitionen, aber diese müssen und können gar nicht festgelegt werden. Um am Partitionsschema etwas zu ändern, kann mit einem Mausklick eine Spezialversion von QTParted gestartet werden, welche die üblichen Operationen anbietet.

Unter Bootmanager kann man sich zwischen GRUB und LILO entscheiden, bei Benutzer werden Benutzer und Kennwörter festgelegt und das Netzwerk-Fenster dient in erster Linie der Festlegung des Rechnernamens. Schließlich kann man die Installation starten, was etwas irritierend vorher mit dem Button Konfiguration speichern freigeschaltet werden muß. Daraufhin erscheint noch einmal eine kurze Zusammenfassung der getroffenen Einstellungen, bevor der etwa zehnminütige Kopierprozeß beginnt.

Während des gesamten Vorgangs fragt Kanotix an keiner Stelle nach einer Paketauswahl – es wird einfach der gesamte Inhalt der CD auf die Festplatte installiert. Nach der abgeschlossenen Installation bootet sich live-CD-typisch der Rechner von selbst neu, sondern will normal heruntergefahren werden.

Erste Eindrücke

Nach dem Neustart erscheint das grafische Bootmenü im selben Stil wie zuvor auf der CD, allerdings mit weniger umfangreichen Optionen. Der Bootvorgang wird auch nicht mehr durch einen Fortschrittsbalken kaschiert, sondern es huschen die üblichen Bootmeldungen über die Framebuffer-Konsole, bis schließlich ein schmuckloser, funktionaler Login-Bildschirm erscheint.

Nach dem Login präsentiert sich Kanotix mit einem KDE-Desktop in 1024x768, der weitgehend der Standardkonfiguration entspricht. Für die Darstellung hält das KDE-Default-Theme Plastik mit einem leicht modifizierten Farbschema her. Auf dem Desktop finden sich unter anderem die Verknüpfungen zu den vorhandenen Windows-Partitionen, jedoch mit völlig nichtssagenden Namen, die nur aus der Größe der Partition gebildet werden. Wie bei den meisten anderen Distributionen funktioniert das Arbeiten auf FAT-Partitionen problemlos, bei NTFS ist immerhin lesender Zugriff möglich. Sehr angenehm fällt auch der eingebaute Support für gängige Multimediaformate auf.

Die Softwareauswahl fällt deutlich größer aus als bei den Standardeinstellungen der anderen Distributionen, das Startmenü wirkt regelrecht überladen. Sollte das Installierte dennoch nicht ausreichen, können Pakete online aus dem reichen Debian-unstable-Fundus nachinstalliert werden. Auch Online-Updates sind von dort zu beziehen. Für ein Update kann man entweder das Programm KPackage bemühen und im Menü Speziell/APT auf Aktualisieren und später Erneuern klicken. Alternativ kann man auch eine Root-Shell bemühen und dort aptitude update && aptitude upgrade eingeben. Dazu sollte man jedoch mindestens über eine DSL-Anbindung verfügen, da allein die Paketlisten bei Debian einige Megabyte groß sind.

Ein großer Schwachpunkt von Kanotix sind die Konfigurationstools – es gibt nämlich kaum welche. Die meiste Hardware wird automatisch in Betrieb genommen, aber z.B. für das Netzwerk-Setup ist eine Automatik freilich unzureichend. Das im Kanotix-Menü erreichbare Tool netcardconfig ist ein altmodisches dialogorientiertes Programm, um IP-Adressen und dergleichen zu konfigurieren. Auch um die vom Installer falsch eingerichtete Bildschirmauflösung einzustellen, wird ein ähnlich befremdliches Programm verwendet, das zudem noch durch lange Wartezeiten zwischen den Dialogschritten unangenehm auffällt. Die bessere Lösung in diesem Fall ist, direkt beim ersten Booten von der CD, noch vor der Installation, einen entsprechenden Bootparameter wie screen=1280x1024 anzugeben.

Interessant ist Kanotix' Lösung des nVidia/ATI-Problems: Es existieren kurze Shellscripte, die alles Nötige automatisch übernehmen. Dazu muß man sich ausloggen, mit Strg+F1 auf die Textkonsole wechseln und als root einloggen. Ein Aufruf des Kommandos install-nvidia-debian.sh bzw. install-radeon-debian.sh lädt automatisch die neuesten Treiber von der Herstellerseite herunter, installiert sie und startet den Loginmanager erneut.

Fazit

Die Installation und Konfiguration eines Kanotix-Systems ist zwar alles andere als vorbildlich umgesetzt, sollte jedoch für ambitionierte Anwender kein Problem sein. Danach erhält man ein solides System mit wenigen Schwächen.

Übersicht: Software und Versionen

Mandriva Linux
2006 Free
Fedora Core 4 SUSE Linux 10.0 Ubuntu 5.10 Kanotix 2005-04
Kernel 2.6.12-12 2.6.11-1 2.6.13-15.8 2.6.12-9 2.6.14-9
GCC 4.0.1 4.0.2 4.0.3
Desktop KDE 3.4.2 GNOME 2.10.0 KDE 3.4.2 GNOME 2.12.1 KDE 3.4.3
Browser Firefox 1.0.6 Firefox 1.0.4 Firefox 1.0.7
Konqueror 3.4.2
Firefox 1.0.7 Firefox 1.5
Office OpenOffice.org 1.1.5 OpenOffice.org 1.9.104 OpenOffice.org 2.0.0.1
"Novell Edition"
OpenOffice.org 1.9.129 OpenOffice.org 2.0
E-Mail Kontact 1.1.2 Evolution 2.2.2 KMail 1.8.2 Evolution 2.4.1
Instant Messaging Kopete 0.10.3 Gaim 1.3.0
X-Chat 2.4.3
Kopete 0.10.3 Gaim 1.5.0
X-Chat 2.4.4
Kopete 0.10.4
Konversation 0.19
Bildbearbeitung GIMP 2.2.8 GIMP 2.2.7 GIMP 2.2.8 GIMP 2.2.8 GIMP 2.2.10
Brennprogramm K3b 0.12.4 K3b 0.12.3 K3b 0.12.10
Bildbetrachter Kuickshow 3.4.2 gThumb 2.6.5 Gwenview 1.2.0 Eye of GNOME 2.12.1 Gwenview 1.3.1
PDF-Viewer KGhostView 0.20 Evince 0.3.1 Evince 0.4.0 KGostView 0.20
Videoplayer Kaffeine 0.7 Helix 1.0.4.754
Totem 1.0.2
Kaffeine 0.7.1
RealPlayer 10.0.6.776 gold
Totem 1.2.0 Kaffeine 0.7.1
VLC 0.8.4
Audioplayer amaroK 1.3.1 Rhythmbox 0.8.8 amaroK 1.3.1 Rhythmbox 0.9.0 XMMS 1.2.10
amaroK 1.3.7